Warum Cohere mit Aleph Alpha fusioniert

AI Models25.Apr.2026 16:004 min read

Cohere übernimmt das deutsche Unternehmen Aleph Alpha mit Unterstützung der Schwarz Gruppe, um eine souveräne KI-Alternative zu dominanten US-Anbietern aufzubauen. Die von kanadischen und deutschen Behörden unterstützte Transaktion könnte Cohere mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewerten, während das Unternehmen stark regulierte Branchen ins Visier nimmt.

Warum Cohere mit Aleph Alpha fusioniert

Das kanadische KI-Startup Cohere übernimmt das in Deutschland ansässige Unternehmen Aleph Alpha mit Unterstützung der Schwarz Gruppe, der Muttergesellschaft der Supermarktkette Lidl. Mit dem Segen ihrer Regierungen wollen die Unternehmen eine souveräne Alternative für Unternehmen in einer von amerikanischen Akteuren dominierten KI-Landschaft anbieten.

Keine Allianz auf Augenhöhe

Beide Unternehmen entwickeln große Sprachmodelle und galten in ihren jeweiligen Märkten als lokale Vorreiter, liegen jedoch hinter globalen Marktführern wie OpenAI zurück. Dennoch handelt es sich hierbei nicht um eine Allianz auf Augenhöhe. Mit einer letzten Bewertung von 6,8 Milliarden US-Dollar wird Cohere die neue Einheit führen, in die Aleph Alpha integriert wird – vorbehaltlich der Zustimmung von Behörden und Aktionären.

Die Schwarz Gruppe, einer der Hauptaktionäre von Aleph Alpha, unterstützt die Transaktion vollständig. Der Handelskonzern wird mit 500 Millionen Euro (rund 600 Millionen US-Dollar) in strukturierter Finanzierung zum strategischen Unterstützer der neuen Einheit. Zudem wird erwartet, dass das Unternehmen auf STACKIT, den souveränen Cloud-Dienst der IT-Sparte der Schwarz Gruppe, Schwarz Digits, zurückgreift.

Eine 20-Milliarden-Dollar-Wette auf souveräne KI

Im Rahmen seiner Investition fungiert die Schwarz Gruppe als Lead-Investor in Coheres Series-E-Finanzierungsrunde und hat damit faktisch die Bewertung festgelegt. Laut dem deutschen Wirtschaftsmagazin Handelsblatt verankert das Term Sheet die Unternehmensbewertung bei rund 20 Milliarden US-Dollar.

Dies würde einen erheblichen Sprung bedeuten, der allein durch die kombinierten Umsätze nicht gerechtfertigt ist. Cohere meldete 2025 einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 240 Millionen US-Dollar, während Aleph Alpha zuvor nur geringe Umsätze und erhebliche Verluste verzeichnete. Dennoch setzen Investoren darauf, dass der Zusammenschluss ihre Wettbewerbsposition verbessert.

Ähnliche Konsolidierungsgespräche sind auch in anderen Teilen der KI-Branche aufgekommen. Elon Musks KI-Startup xAI soll Berichten zufolge eine Dreierpartnerschaft mit dem französischen Unternehmen Mistral AI und Cursor diskutiert haben, für das sich SpaceX kürzlich eine Kaufoption gesichert hat. Ob europäische Unternehmen riskieren würden, ihre Positionierung als Alternative zu US-Technologie zu untergraben, bleibt eine offene Frage.

Fokus auf regulierte Branchen

Cohere möchte von der wachsenden Nachfrage von Unternehmen nach KI-Anbietern profitieren, die strenge Anforderungen an Datenschutz und Unabhängigkeit erfüllen. Die neue Einheit plant, sich auf stark regulierte Branchen zu konzentrieren, darunter Verteidigung, Energie, Finanzwesen, Gesundheitswesen, Fertigung, Telekommunikation sowie der öffentliche Sektor.

Aleph Alpha entwickelte spezialisierte Sprachmodelle für europäische Unternehmen und öffentliche Institutionen, darunter seine PhariaAI-Suite. Obwohl eine strategische Neuausrichtung und der Weggang des Mitgründers und CEO Jonas Andrulis Unsicherheit über die zukünftige Ausrichtung schufen, könnten das 250-köpfige Team des Unternehmens und dessen Expertise Coheres Fähigkeiten sinnvoll ergänzen.

„Ihr Fokus auf kleine Sprachmodelle, europäische Sprachen und Tokenizer ergänzt unseren eigenen Ansatz sehr gut, der stärker auf große Sprachmodelle ausgerichtet ist“, sagte Cohere-CEO Aidan Gomez während einer Pressekonferenz zur Ankündigung der Pläne.

Staatliche Unterstützung und Fragen der Souveränität

Die politische Dimension der Vereinbarung war bei der Ankündigungsveranstaltung deutlich sichtbar. Neben Gomez und Aleph-Alpha-Mitgründer Samuel Weinbach nahmen auch der Chief Digital Officer der Schwarz Gruppe, Rolf Schumann, der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger sowie Kanadas Minister für Innovation, Wissenschaft und Industrie, Evan Solomon, teil.

Angesichts wachsender Spannungen mit den Vereinigten Staaten bemüht sich Kanada um stärkere bilaterale Initiativen mit Partnern, darunter Deutschland. Die beiden Länder haben kürzlich eine Allianz für souveräne Technologien ins Leben gerufen, um „die souveräne KI-Kapazität zu stärken und strategische Technologieabhängigkeiten zu verringern“.

Dennoch bleibt die Frage, ob europäische Organisationen eine kanadisch-deutsche Initiative als ausreichend souverän betrachten werden und ob die Allianz langfristig transatlantisch bleibt. Laut Gomez wird „Cohere zu einem kanadisch-deutschen Unternehmen werden“. Die Eigentumsverhältnisse könnten sich weiter verschieben, falls ein Börsengang erfolgt.